Badminton Wettarten: Handicap, Over/Under und Satzwetten im Detail erklärt

Mein erster Badminton-Wetttipp endete mit einem Fehlschlag – ich hatte auf Remis gesetzt. Ja, wirklich. Damals wusste ich nicht, dass es beim Badminton schlicht kein Unentschieden gibt. Dieser peinliche Anfangsfehler hat mich aber gelehrt, warum die Sportart für Wetter so interessant ist: Der 2-Wege-Markt vereinfacht jede Entscheidung erheblich. Einer gewinnt, einer verliert – fertig.
Das Rally Point System sorgt dafür, dass jedes Spiel ein klares Ergebnis liefert. Wer zuerst 21 Punkte erreicht, gewinnt den Satz. Wer zuerst zwei Sätze hat, gewinnt das Match. Keine Verlängerungen ins Unendliche, keine komplizierten Tie-Break-Regeln wie beim Tennis. Diese Klarheit zieht sich durch alle Wettmärkte – von der einfachen Siegwette bis zum komplexen Satz-Handicap.
In meinen acht Jahren als Badminton-Wetten-Analyst habe ich jeden Markt durchgespielt, der bei den 198 BWF-Mitgliedsverbänden auf dem Plan steht. Von den hochliquiden Super-1000-Events bis zu den kleineren 300er-Turnieren unterscheiden sich die verfügbaren Wettoptionen kaum – was zählt, ist das Verständnis der Mechanik dahinter. Und genau das liefere ich dir jetzt.
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Die Siegwette: 2-Wege-Markt ohne Unentschieden
Bei meinem ersten Indonesia Open vor Ort in Jakarta wurde mir schlagartig klar, warum der 2-Wege-Markt so beliebt ist. Die Halle kochte, zwei Spieler standen sich gegenüber, und innerhalb von 40 Minuten war alles entschieden. Kein drittes mögliches Ergebnis, kein totes Geld auf einem Remis – nur die Frage: Wer gewinnt?
Warum Badminton kein Remis kennt
Das Rally Point System macht ein Unentschieden mathematisch unmöglich. Jeder Ballwechsel bringt einen Punkt – für irgendjemanden. Der erste Spieler mit 21 Punkten gewinnt den Satz, wobei bei 20:20 eine Zwei-Punkte-Führung erforderlich ist. Maximal geht ein Satz bis 30 Punkte. Diese Regel existiert seit 2006 und hat das Spiel schneller und für Zuschauer attraktiver gemacht.
Für Wetter bedeutet das: Die mathematische Gewinnwahrscheinlichkeit liegt immer bei exakt 50% auf beide Seiten verteilt – bevor der Buchmacher seine Marge draufschlägt. Im Vergleich zum Fußball, wo das Remis statistisch in etwa 25% der Spiele vorkommt, verschenkt man hier kein Geld an ein Ergebnis, das oft eintritt aber selten getippt wird.
Die Abwesenheit des Remis macht auch die Quotenberechnung transparenter. Wenn ein Buchmacher Spieler A mit 1.60 und Spieler B mit 2.30 quotiert, erkenne ich sofort die implizite Wahrscheinlichkeitsverteilung. Keine dritte Variable stört die Analyse.
Quotenbeispiele aus der Praxis
Ein konkretes Beispiel aus einem Super-1000-Turnier: Viktor Axelsen gegen einen Spieler aus den Top 20. Die Quoten standen bei 1.25 für Axelsen und 3.80 für den Außenseiter. Mit seiner Siegquote von 92,86% bei olympischen Spielen ist Axelsen ein klassischer Fall, bei dem die niedrige Quote den tatsächlichen Wert widerspiegelt.
Bei ausgeglicheneren Duellen – etwa zwei Spieler aus den Top 10 – sehen die Quoten oft so aus: 1.85 gegen 1.95. Der geringe Unterschied signalisiert Unsicherheit beim Buchmacher. Genau hier entstehen die interessanten Wetten, weil kleinste Informationsvorsprünge echten Value liefern können.
Die Marge bei Siegwetten im Badminton liegt typischerweise zwischen 4% und 7%. Bei den großen Turnieren wie All England oder Indonesia Open drücken die höheren Einsätze die Margen nach unten. Bei kleineren Super-300-Events steigt sie manchmal auf 8% oder mehr. Diese Differenz macht einen spürbaren Unterschied bei der langfristigen Rendite.
Ein Fehler, den ich früh gemacht habe: Die Siegwette bei krassen Favoriten als “sicher” betrachten. Quoten unter 1.30 sind selten Value, selbst wenn der Favorit statistisch in 85% der Fälle gewinnt. Die wenigen Niederlagen fressen die minimalen Gewinne auf. Besser: Auf andere Märkte ausweichen, wenn die Siegwette keinen Wert bietet.
Handicap-Wetten: Punktevorsprung als Strategie
Die Siegquote von 1.15 auf einen klaren Favoriten bringt niemanden weiter. 100 Euro Einsatz für 15 Euro Gewinn – und das Risiko eines Upsets bleibt. Genau hier kommen Handicap-Wetten ins Spiel. Ich habe sie lange unterschätzt, bis mir bei den Malaysia Masters ein Licht aufging: Der Favorit gewann zwar, aber nur knapp in drei Sätzen. Mit einem -1.5-Satz-Handicap wäre mein Tipp verloren gewesen.
Die Logik ist simpel: Du gibst dem Favoriten einen virtuellen Rückstand oder dem Außenseiter einen Vorsprung. Ein Handicap von -4.5 Punkten auf Spieler A bedeutet, dass dieser mindestens 5 Punkte mehr als sein Gegner erzielen muss, damit der Tipp gewinnt. Diese künstliche Erschwernis hebt die Quote auf ein interessanteres Niveau.
Asiatisches vs. europäisches Handicap
Das europäische Handicap funktioniert binär: Entweder du gewinnst oder du verlierst. Bei einem Handicap von -3.5 gibt es kein Dazwischen. Der asiatische Ansatz ist flexibler – und anfangs verwirrender.
Beim asiatischen Handicap existieren halbe Handicaps wie -3.5, aber auch ganze wie -3.0 oder Viertel-Handicaps wie -3.25. Bei einem ganzen Handicap (-3.0) kann ein Push entstehen: Gewinnt der Favorit mit exakt 3 Punkten Vorsprung, erhältst du deinen Einsatz zurück. Das Viertel-Handicap (-3.25) splittet deinen Einsatz automatisch auf -3.0 und -3.5.
Für Badminton empfehle ich Einsteigern das europäische System. Die Punktzahlen sind oft ungerade – ein Satz endet mit 21:18 oder 21:15, nicht mit 21:17.5. Das halbe Handicap eliminiert den Push komplett. Erst wenn du die Dynamik der Punkteverteilung verstanden hast, lohnt der Wechsel zum asiatischen Modell für feinere Steuerung.
Ein praktisches Beispiel: Bei einem Match zwischen der Nummer 3 und der Nummer 25 der Weltrangliste könnte das Punkte-Handicap bei -7.5 für den Favoriten liegen. Das bedeutet eine erwartete Dominanz von etwa 8 Punkten pro Satz. Bei einem 21:13, 21:12-Sieg covered der Favorit das Handicap. Bei 21:17, 21:15 nicht mehr.
Satz-Handicap bei klaren Favoriten
Das Satz-Handicap ist die aggressivere Variante. Ein -1.5-Satz-Handicap auf den Favoriten bedeutet: Er muss 2:0 gewinnen. Verliert er auch nur einen Satz, ist der Tipp weg. Die Quoten dafür liegen oft im Bereich von 1.80 bis 2.20 – deutlich attraktiver als die nackte Siegwette.
Meine Erfahrung zeigt: Satz-Handicaps funktionieren am besten bei stilistischen Mismatches. Wenn ein aggressiver Angriffsspieler auf einen defensiven Taktiker trifft, der lange Rallies bevorzugt, steigt die Wahrscheinlichkeit für knappe Sätze. Der Favorit gewinnt vielleicht, aber nicht unbedingt 2:0. Anders bei zwei ähnlichen Spielstilen – da dominiert der Bessere oft klar.
Lin Dan hielt den Rekord von fünf WM-Titeln im Herreneinzel. In seinen Glanzzeiten wäre ein -1.5-Satz-Handicap gegen Gegner außerhalb der Top 10 regelmäßig Value gewesen. Solche Dominanz ist selten, aber wenn sie auftritt, sind Satz-Handicaps das Mittel der Wahl.
Der Fehler, den ich oft beobachte: Satz-Handicaps auf Favoriten setzen, die gerade aus einer Verletzungspause kommen. Die Siegchance bleibt hoch, aber die Matchfitness für eine 2:0-Dominanz fehlt oft in den ersten Turnieren. Hier ist das Punkte-Handicap die sicherere Wahl.
Die Weltrangliste der BWF ist ein nützlicher Indikator, aber kein Dogma für Handicap-Wetten. Ein Spieler auf Platz 8 kann stilistisch perfekt auf Platz 15 abgestimmt sein und trotzdem knapp gewinnen. Die H2H-Statistik – Head-to-Head – liefert oft bessere Hinweise auf erwartete Punktedifferenzen als der reine Ranglistenvergleich.
Für eine detaillierte Strategie zur Handicap-Anwendung bei Favoriten und Außenseitern empfehle ich meinen separaten Handicap-Guide, der die taktischen Nuancen vertieft.
Over/Under Wetten: Punktegrenzen und Satzanzahl
Der schnellste Badminton-Smash wurde 2023 mit 565 km/h gemessen – von Satwiksairaj Rankireddy aus Indien. Diese Geschwindigkeit sagt viel über den Sport: Punkte fallen schnell, Spiele können explosiv verlaufen. Aber nicht alle Matches sind Schnellfeuergefechte. Manche Duelle entwickeln sich zu zähen Abnutzungskämpfen mit langen Rallies und hohen Punktzahlen. Genau diese Unterscheidung macht Over/Under-Wetten interessant.
Die Grundidee: Du wettest darauf, ob die Gesamtpunktzahl eines Matches über oder unter einer festgelegten Linie liegt. Ein typisches Zwei-Satz-Match endet bei etwa 70-80 Punkten insgesamt. Geht es in den dritten Satz, steigt die Summe auf 100-120 Punkte. Die Buchmacher setzen die Linie irgendwo dazwischen – und du entscheidest, welche Seite wahrscheinlicher ist.
Gesamtpunkte-Märkte (75.5, 85.5, 95.5)
Die drei Standardlinien decken unterschiedliche Szenarien ab. 75.5 ist die niedrigste gängige Linie – sie geht davon aus, dass der Favorit in zwei schnellen Sätzen durchmarschiert. 85.5 liegt im mittleren Bereich und impliziert entweder zwei umkämpfte Sätze oder einen schnellen Satz plus einen knapperen. 95.5 und höher setzen fast einen dritten Satz voraus.
Die Wahl der richtigen Linie hängt vom Spielstil ab. Offensive Spieler, die auf den schnellen Punkt gehen, produzieren tendenziell weniger Gesamtpunkte – sie gewinnen oder verlieren Rallies schnell. Defensive Spieler, die jeden Ball zurückspielen und den Gegner zum Fehler zwingen, treiben die Punktzahlen nach oben.
Ein Beispiel aus meiner Praxis: Bei Matches zwischen zwei defensiven Spielern aus China oder Indonesien habe ich regelmäßig Over 85.5 gespielt. Die kulturelle Prägung auf fehlerfreies Spiel führt zu längeren Ballwechseln. Bei Duellen zwischen zwei europäischen Angriffsspielern ging Under 80.5 häufiger auf.
Die Marge auf Over/Under-Märkten ist oft geringer als bei Siegwetten. Buchmacher haben weniger klare Daten über Spielstile als über Siegwahrscheinlichkeiten. Das öffnet Raum für informierte Wetter, die sich intensiv mit den Spielern beschäftigen.
Satz-Over/Under (2.5 Sätze)
Die einfachste Over/Under-Wette beim Badminton: Gibt es einen dritten Satz oder nicht? Over 2.5 Sätze gewinnt, wenn das Match 2:1 endet. Under 2.5 Sätze gewinnt bei 2:0 in jede Richtung.
Diese Wette korreliert stark mit der Favoritenrolle, aber nicht perfekt. Ein klarer Favorit gewinnt wahrscheinlich 2:0 – Under 2.5. Ein knapper Favorit lässt Raum für einen Satzgewinn des Außenseiters – Over 2.5 wird attraktiver. Aber auch klare Favoriten können einen Satz abgeben, wenn sie einen schlechten Start haben oder experimentieren.
Mein Tipp für diese Wettart: Achte auf die ersten Runden von Turnieren. Topgesetzte Spieler treffen dort auf qualifizierte Gegner, die nichts zu verlieren haben. Diese Außenseiter spielen oft befreit auf und können einen Satz stehlen, bevor die Klasse des Favoriten durchschlägt. Over 2.5 in der ersten Runde von Super-1000-Events hat mir oft gute Quoten geliefert.
Die Quoten für Over/Under 2.5 Sätze bewegen sich typischerweise zwischen 1.70 und 2.10 auf beiden Seiten, abhängig vom Favoritenstatus. Bei sehr ungleichen Matches kann Under 2.5 auf 1.40 fallen – dann ist der Wert meist weg.
Eine Feinheit, die viele Wetter übersehen: Die Kombination aus Siegwette und Satz-Over/Under. Wenn ich den Außenseiter stark finde, aber nicht stark genug für einen Sieg, kann ich Over 2.5 Sätze spielen. Der Außenseiter muss nur einen Satz gewinnen, nicht das Match. Das eröffnet Value-Möglichkeiten in Situationen, wo die Siegwette keinen Wert bietet.
Die Datenanalyse für Over/Under-Wetten ist zeitintensiver als für Siegwetten. Ich schaue mir nicht nur die Ergebnisse an, sondern die Satzergebnisse, die Punkteverteilungen, die Tendenz zu langen oder kurzen Rallies. Diese Informationen sind auf der BWF-Website verfügbar, erfordern aber manuelle Auswertung. Wer diese Arbeit investiert, findet oft Ineffizienzen, die bei den populäreren Siegwetten längst eingepreist sind.
Satzwetten: Genaues Ergebnis und Satzsieger
Nach drei Jahren kontinuierlicher Badminton-Wetten wagte ich mich erstmals an Satzwetten. Der Grund für die Zurückhaltung: Die Quoten sind verlockend hoch, aber die Trefferquote entsprechend niedrig. Eine 2:1-Wette auf den Favoriten bringt oft 3.00 oder mehr – aber wie oft gewinnt der Favorit wirklich exakt 2:1? Die Antwort: seltener als die Quote vermuten lässt.
Correct Score (2:0, 2:1)
Beim Correct Score wettest du auf das exakte Satzergebnis. Die drei möglichen Ausgänge: 2:0 für Spieler A, 2:1 für Spieler A, oder 2:0/2:1 für Spieler B. Bei einem Favoritenmatch verteilen sich die Wahrscheinlichkeiten ungleich – 2:0 für den Favoriten ist am wahrscheinlichsten, gefolgt von 2:1 für den Favoriten, dann 2:1 für den Außenseiter, und am unwahrscheinlichsten 2:0 für den Außenseiter.
Die Quoten spiegeln diese Verteilung wider: 2:0 für einen soliden Favoriten liegt bei etwa 1.80-2.00. Correct Score 2:1 für denselben Favoriten bei 3.00-3.50. Die Kombination beider Wetten – der Favorit gewinnt, egal wie – wäre die Siegwette. Aber die Correct-Score-Quoten addiert ergeben mehr als die Siegquote. Diese Differenz ist die Marge, die der Buchmacher auf das höhere Risiko aufschlägt.
Wann Correct Score Sinn macht: Bei klaren stilistischen Unterschieden. Wenn ich weiß, dass ein Spieler entweder dominiert oder zusammenbricht, aber selten knappe Matches liefert, ist 2:0 oder 0:2 wahrscheinlicher als die Mitte. Lin Dan in seiner Hochphase war so ein Kandidat – er gewann meist klar oder verlor überraschend deutlich. Die Mitte, das 2:1, passte nicht zu seinem Spielstil.
Einzelner Satzsieger
Eine Stufe weniger riskant: Die Wette auf den Gewinner eines bestimmten Satzes. Wer gewinnt den ersten Satz? Wer gewinnt den zweiten? Diese Märkte existieren bei den meisten Buchmachern, auch wenn sie bei Badminton nicht immer prominent platziert sind.
Der erste Satz ist strategisch interessant. Manche Spieler starten langsam – sie tasten ab, testen den Gegner, finden erst im Verlauf ihren Rhythmus. Andere kommen heiß aus den Umkleidekabinen und drücken von Beginn an. Diese Muster sind relativ stabil und lassen sich aus historischen Daten ableiten.
Eine Taktik, die ich entwickelt habe: Den Außenseiter im ersten Satz zu unterstützen, wenn der Favorit bekannt dafür ist, langsam zu starten. Die Quoten auf den Außenseiter im ersten Satz sind höher als auf den Außenseiter im Gesamtmatch. Selbst wenn der Favorit das Match am Ende gewinnt, kann ich mit dem ersten Satz profitieren.
Der dritte Satz – falls gespielt – ist die große Unbekannte. Nach zwei geteilten Sätzen steht es 1:1, und beide Spieler sind mental und physisch gefordert. Hier entscheiden oft Kleinigkeiten: Fitness, Nervenstärke, Coaching-Inputs in der Pause. Die Quoten für den dritten Satz sind entsprechend eng, meist nahe an 50:50, selbst bei ungleichen Gegnern.
Eine Sonderkategorie: Die Wette auf den höchsten Punktestand in einem Satz. Wird ein Satz mit 21:19 oder höher enden? Diese Märkte tauchen nicht überall auf, aber bei größeren Events sind sie verfügbar. Sie korrelieren mit der Over/Under-Logik – defensive Spieler treiben die Punktzahlen hoch, aggressive Spieler drücken sie runter.
Mein Fazit zu Satzwetten nach acht Jahren: Sie sind Gewürz, nicht Hauptgericht. Für den Großteil meiner Einsätze nutze ich Siegwetten und Handicaps. Satzwetten kommen ins Spiel, wenn ich eine sehr spezifische These habe – etwa dass ein Favorit heute nicht in Topform ist und einen Satz abgeben wird, aber trotzdem gewinnt. Ohne solche konkreten Gründe ist das Risiko-Ertrags-Verhältnis ungünstig.
Spezialwetten: Turniersieger und Outright-Märkte
Die BWF World Tour 2026 umfasst 29 Turniere in fünf verschiedenen Levels. Jedes dieser Turniere bietet Outright-Märkte – Wetten auf den Gesamtsieger, die vor dem ersten Aufschlag platziert werden. Diese Ante-Post-Wetten erfordern ein anderes Mindset als Einzelmatch-Wetten: Geduld, Weitblick und die Bereitschaft, Geld für mehrere Tage zu binden.
Der Reiz liegt in den Quoten. Vor einem Super-1000-Turnier bekomme ich für den Topfavoriten vielleicht 4.00, obwohl er statistisch eine Siegchance von 30% hat. Das wäre rechnerisch Value. Aber: Der Favorit muss fünf oder sechs Matches gewinnen, um den Titel zu holen. Ein einziger schlechter Tag, eine kleine Verletzung, ein Upset durch einen aufkommenden Spieler – und die Wette ist verloren.
Poul-Erik Høyer, der ehemalige BWF-Präsident und selbst Olympiasieger von 1996, leitete den Weltverband durch eine der außergewöhnlichsten Perioden des Wachstums und der Entwicklung. Diese Expansion zeigt sich auch in der Tiefe der Turnierserien und den damit verbundenen Wettmärkten.
Meine Strategie für Outright-Wetten: Ich konzentriere mich auf die Super-500- und Super-300-Events, nicht auf die prestigeträchtigen Super-1000-Turniere. Der Grund? Die Top-Spieler treten nicht bei allen kleineren Turnieren an. Das Teilnehmerfeld ist dünner, die Wege kürzer, die Varianz geringer. Ein solider Top-20-Spieler, der bei einem Super-300-Event antritt, an dem die Top 5 fehlen, kann plötzlich zum Favoriten werden – zu einer Quote, die seine reale Chance unterschätzt.
Gruppensieger-Wetten bei Mannschaftsturnieren wie dem Thomas Cup bieten eine weitere Spezialwetten-Kategorie. China oder Indonesien in einer Gruppe zu unterstützen, erscheint offensichtlich. Aber die Quoten reflektieren das. Interessanter sind Wetten auf Gruppenzweite oder den genauen Ausgang der Gruppenphase. Indonesien dominiert den Thomas Cup mit 14 Titeln – diese Konstanz lässt sich in Outright-Strategien einbauen.
Ein Wort zur Liquidität: Outright-Märkte beim Badminton sind deutlich illiquider als bei Fußball oder Tennis. Die Buchmacher nehmen kleinere Einsätze an, und die Quoten können sich nach wenigen größeren Wetten signifikant bewegen. Das hat Vor- und Nachteile: Frühes Setzen sichert bessere Quoten, aber große Positionen sind schwer zu platzieren.
Head-to-Head-Wetten zwischen zwei Spielern über ein ganzes Turnier hinweg sind eine weitere Spezialität. Wer kommt weiter – Spieler A oder Spieler B? Diese Märkte sind interessant, wenn beide in getrennten Tableauhälften stehen und sich erst im Finale treffen könnten. Die Quote reflektiert nicht nur die Siegchancen im direkten Duell, sondern auch die Wahrscheinlichkeit, dass beide überhaupt so weit kommen.
Für eine tiefergehende Analyse zur Identifikation von Value in Quoten empfehle ich den entsprechenden Artikel, der die mathematischen Grundlagen detailliert erklärt. Die Konzepte dort sind auf alle hier beschriebenen Wettarten anwendbar.
Kombiwetten: Ein kurzer Überblick
Kombiwetten – oder Parlays – multiplizieren Quoten miteinander. Zwei Favoriten mit je 1.50 ergeben kombiniert 2.25. Klingt attraktiv. Aber die Wahrscheinlichkeit, beide richtig zu haben, sinkt exponentiell. Aus zwei 66%-Chancen wird eine 44%-Chance. Der Buchmacher gewinnt bei jeder zusätzlichen Selektion.
Ich nutze Kombiwetten beim Badminton nur unter sehr spezifischen Bedingungen: Wenn ich mehrere Spiele am selben Tag habe, bei denen ich einen klaren Edge sehe, und wenn die Quoten als Einzelwetten unter 1.40 liegen. In diesem Fall macht die Kombination die Wette überhaupt erst spielbar. Ansonsten bleibe ich bei Einzelwetten.
Ein strukturelles Problem bei Badminton-Kombis: Turniere finden oft parallel statt, aber die Spiele überschneiden sich zeitlich. Wenn du zwei Matches kombinierst und das erste verloren geht, sitzt du die restliche Zeit frustriert vor dem Bildschirm. Bei Einzelwetten kannst du nach einem Verlust neu bewerten. Für eine detaillierte Analyse der Risiken und fortgeschrittene Strategien empfehle ich meinen Guide zu Kombiwetten.
Die psychologische Komponente ist nicht zu unterschätzen. Die hohen Quoten von Kombiwetten triggern das Belohnungszentrum im Gehirn – ein 10er-Kombi mit Quote 50 fühlt sich aufregend an. Aber diese Aufregung ist kein Investmentkriterium. Die erwartete Rendite von Kombiwetten ist fast immer negativ, weil die Margen sich multiplizieren.
Wie funktioniert das Handicap bei Badminton Wetten?
Das Handicap gibt einem Spieler einen virtuellen Punkte- oder Satzvorsprung. Ein -4.5-Punkte-Handicap auf den Favoriten bedeutet, dass dieser mindestens 5 Punkte mehr erzielen muss. Ein +4.5-Handicap auf den Außenseiter bedeutet, dass dieser maximal 4 Punkte weniger erzielen darf. Die Quote wird dadurch attraktiver als bei einer reinen Siegwette.
Was bedeutet Over/Under 75.5 Punkte?
Du wettest darauf, ob die Gesamtpunktzahl beider Spieler im Match über oder unter 75.5 liegt. Ein Ergebnis von 21:18, 21:19 ergibt 79 Punkte – Over gewinnt. Ein Ergebnis von 21:12, 21:15 ergibt 69 Punkte – Under gewinnt. Die Linie variiert je nach erwarteter Matchlänge.
Welche Wettart hat die besten Quoten?
Correct-Score-Wetten bieten die höchsten Quoten – 3.00 und mehr für ein 2:1-Ergebnis. Aber: Höhere Quoten bedeuten geringere Trefferwahrscheinlichkeit. Für Value sind Handicap-Wetten oft interessanter, weil dort die Buchmachermarge tendenziell niedriger ist als bei exotischen Märkten.
Gibt es bei Badminton ein Unentschieden?
Nein. Das Rally-Point-System garantiert immer einen Sieger. Jeder Ballwechsel ergibt einen Punkt, und wer zuerst 21 Punkte erreicht, gewinnt den Satz. Bei 20:20 wird bis zur Zwei-Punkte-Führung oder maximal 30 Punkte gespielt. Dadurch existiert nur der 2-Wege-Markt ohne Remis-Option.
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